Was bleibt von mir?
Ein anderer Blick auf den eigenen Wert, jenseits dessen, was Maschinen schneller erledigen oder sich in Zahlen ausdrücken lässt.
DAS NEUE BUCH · STORY.ONE
Mit Viktor Frankl gelassen durch die KI-Zeit
Was bleibt von uns, wenn Maschinen immer mehr können? Ein persönlicher Essay über KI, Sinn und die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Hardcover und E-Book in deutscher Sprache.
Buchcover derzeit nicht verfügbarWORUM ES GEHT
KI kann schreiben, rechnen und Antworten liefern. Aber wer prüft sie? Wer entscheidet? Und wer übernimmt Verantwortung? Volker Viechtbauer richtet den Blick auf das, was wir nicht delegieren sollten.
Ein anderer Blick auf den eigenen Wert, jenseits dessen, was Maschinen schneller erledigen oder sich in Zahlen ausdrücken lässt.
Wo KI unterstützen kann und weshalb Urteilskraft, Auswahl und Verantwortung trotzdem bei uns bleiben.
Viktor Frankls Gedanken als Ausgangspunkt, um über Sinn nachzudenken, statt ausschließlich über Leistung und Selbstoptimierung.
LESEPROBE
Kapitel 1 und 2. Direkt hier lesen.
Ich habe dieses Buch aus Angst geschrieben. Und ich glaube, Sie kennen diese Angst auch. Es ist nicht die Angst der Schlagzeilen: dass die Künstliche Intelligenz uns die Arbeit wegnimmt – eine Sorge, die ich niemandem ausrede – oder uns überholt und irgendwann die Weltherrschaft übernimmt, uns sogar vernichtet. Noch ist vieles davon Science-Fiction. Meine Angst ist eine andere, stillere, vielleicht berechtigtere: dass wir schon dabei sind, uns selbst abzuschaffen, bevor die KI es überhaupt versucht hat. Anfang September 2026 liegt DIE ZEIT auf meinem Frühstückstisch. Rubrik Streit, ganz oben ein Satz von Helmut Schmidt: „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine.“ Darunter die Frage: Rettet die KI unseren Wohlstand? Links Karsten Wildberger, der deutsche Digitalminister, Anzug, Gestik, Manager.
Sein Rezept ist Tempo: „Wer KI nicht oder viel zu zögerlich einsetzt, entscheidet sich erst recht für die Jobvernichtung.“ Rechts Yasmin Fahimi, die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Ich erlebe aber leider eine große Verunsicherung in den Unternehmen darüber, wie sie KI einsetzen sollten.“ Beide haben recht. Und beide greifen zu kurz. Der eine sagt: Lasst die Technik wuchern, dann kommt das Wachstum. Die andere: Verteilt den Ertrag gerecht, dann kommt die Gerechtigkeit. Keiner fragt: Was macht das mit dem Menschen? Wohlstand ohne Würde ist nur gut bezahlte Sinnlosigkeit. Es geht nicht darum, ob KI unseren Wohlstand rettet. Sondern darum, ob wir unseren Sinn retten. Und dahinter steht die Frage: Wenn die Maschine alles kann, was ich kann, nur schneller, billiger, fehlerfreier – was bleibt dann von mir?
Seit Jahren stelle ich zwei Begriffe gegenüber, die Viktor Frankl ein Leben lang beschäftigt haben: Selbstverwirklichung und Selbstvergessenheit. Bei meinen Vorträgen betrachte ich sie gern in drei Dimensionen: Weltanschauung, Menschenbild, Unternehmergeist. Selbstverwirklichung spielt in unserer heutigen Zeit eine bedeutende Rolle. Vermesse dich selbst. Optimiere dich selbst. Verwirkliche dich selbst. Diese totale Selbstverwirklichung hat drei Gesichter. In China sehe ich das erste: die totale Vermessung des Menschen, der Mensch als Datensatz mit Score. In Amerika das zweite: die Selbstoptimierung, wie sie die amerikanische Journalistin Barbara Ehrenreich in Smile or Die beschreibt – eine Nabelschau der Positiven Psychologie mit Martin Seligman als Galionsfigur.
Und neuestens, aus der Gegenrichtung, ein katholischer Integralismus um Figuren wie den Harvard-Juristen Adrian Vermeule und J. D. Vance, der das freie Gewissen wieder unter Führung stellen will – nicht nur technisch, sondern theologisch. Und überall das dritte: die KI. Sie ist nicht unser Gegner, sie ist ein Werkzeug, und wer es führt, bestimmt, wozu: Es liefert dem einen die Technik der Kontrolle, dem anderen die perfekte Erzählung – und uns im Westen die Illusion, wir würden uns verwirklichen, während wir uns nur noch vermessen und selbst vermarkten. Drei Gesichter, ein Versprechen: ein Leben, in dem uns die Wahl abgenommen wird. Dieses Buch handelt von Viktor Frankl, weil er die Antwort auf diese Angst gelebt hat. Frankl, 1905 in Wien geboren und 1997 dort gestorben, war Neurologe und Psychiater.
Nach Freuds Psychoanalyse und Adlers Individualpsychologie begründete er die dritte Wiener Schule der Psychotherapie, die Logotherapie: eine Heilkunde, die den Menschen nicht von seinen Trieben her versteht, sondern von seinem Willen zum Sinn. Sein Bericht aus den Lagern, … trotzdem Ja zum Leben sagen, ist als Man’s Search for Meaning eines der einflussreichsten Bücher Amerikas geworden. In Auschwitz hat er erlebt, was geschieht, wenn der Mensch nur noch Nummer ist. Er überlebte – durch Glück, wie er selbst nie zu sagen vergaß. Aber was ihn innerlich am Leben hielt, war das Gegenteil der Nummer: Er vergaß sich. Er dachte an sein Manuskript Ärztliche Seelsorge, das er, im Mantelfutter eingenäht, bei der Einlieferung nach Auschwitz verlor und später im KZ Türkheim aus dem Gedächtnis auf Papierfetzen rekonstruierte, um sich im Fleckfieber geistig am Leben zu halten.
Er dachte an den Vortrag, den er in der Volkshochschule darüber halten würde, und an seine geliebte Rax; er dachte an einen Sinn außerhalb seiner selbst. Er nannte das Selbsttranszendenz – und das, was ihn innerlich hielt, die Trotzmacht des menschlichen Geistes. Wenn Sie also Angst haben vor der Zukunft, dann liegen Sie richtig. Aber diese Angst ist kein Grund zur Resignation. Sie ist der Beweis, dass Ihr Gewissen noch lebt. Ich hoffe, Sie lesen dieses Buch mit Trotzmacht. Die KI nicht zu verwenden, wäre ein Fehler.
Leseauszüge aus dem bereitgestellten Kapitelmaterial; nicht mit der finalen Druckfassung abgeglichen.
Mein letztes Buch habe ich vor drei Jahren veröffentlicht. Es wurde gänzlich ohne KI geschrieben, und ich habe Jahre daran gearbeitet. Dieses Buch entsteht mit KI. Ich bringe meine Gedanken, mein Material, meine Auswahl ein und redigiere, was die Maschine daraus baut. Am Vormittag des 8. September 2026 hatten Hannes Steiner und ich zwölf Stunden an diesem Buch gearbeitet. Nach sieben Tagen lag das Manuskript vor. Sieben Tage gegen jahrelange Arbeit. Es ist der Versuch, Viktor Frankls Gedanken zu einem aktuellen Thema zeitnah zu veröffentlichen. Das ist erschreckend. Weil es möglich ist. Und weil es brutal effizient ist. Ehrlich ist die Rechnung trotzdem nur zur Hälfte: Die sieben Tage standen auf mehr als fünf Jahren Arbeit an meinem letzten Buch und auf Jahrzehnten, in denen ich mit Frankl gedacht habe. Die Maschine hat das Schreiben verkürzt. Das Denken hat sie nicht verkürzt.
Ich will Ihnen dieses Erschrecken nicht ersparen, denn es gehört zur Sache: Hier warnt einer vor der bequemen Übernahme des Denkens – mit einem Werkzeug, das genau diese Bequemlichkeit anbietet. Aber wir sind nicht die Ersten, die fürchten, eine neue Technik könnte unser Denken ersetzen. Platon lässt Sokrates im Dialog Phaidros den Mythos von Theuth erzählen. Theuth, der ägyptische Gott, erfindet die Schrift und trägt sie stolz zum König Thamus: ein Mittel für Gedächtnis und Weisheit. Thamus antwortet: Du hast das Gegenteil erfunden. Die Schrift werde Vergessenheit in die Seelen bringen; die Menschen würden sich im Vertrauen auf fremde Zeichen von außen erinnern lassen statt aus sich selbst heraus. Sie hätten den Schein der Weisheit, nicht die Weisheit. Und die Schrift antwortet nicht: Wenn du sie fragst, schweigt sie, sie sagt immer dasselbe.
Ersetzen Sie das Wort Schrift durch KI, und Sie haben die Debatte von heute. Sokrates hatte Angst, die Schrift ersetzt das Gedächtnis. Wir hatten Angst, Google ersetzt das Wissen. Heute haben wir Angst, die KI ersetzt das Denken. Jedes Mal ist dasselbe passiert: Die Technik hat den Menschen nicht abgeschafft, sie hat ihn gezwungen, eine Stufe höher zu steigen. Vom Auswendiglernen zum Verstehen. Vom Wissen zum Urteilen. Heute zwingt sie uns vom Urteilen zum Sinnfinden. Das kann keine Maschine. Umbruchzeiten hatten immer schnelle, kurze Texte. Selbst das Hauptwerk der Aufklärung, die Encyclopédie von Denis Diderot und Jean-Baptiste d’Alembert (1751–1780, 35 Bände), war im Kern eine Sammlung von über 70.000 kurzen Artikeln, von Voltaire bis Rousseau; sie erschien Band für Band, gegen Zensur und Verbot, und verdichtete, was verstreut in Schriften, Werkstätten und Köpfen lag.
Dasselbe Prinzip – erst der schnelle Text, dann das Buch – zeigt sich bei Alphonse Daudet, der als Chroniqueur für Le Figaro und andere Blätter Feuilletons wie die Briefe aus meiner Mühle schrieb, die später als Buch erschienen. Kants Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, erschien im Dezember 1784 in der Berlinischen Monatsschrift – vierzehn Seiten, ein Zeitschriftenbeitrag, kein Buch. Thomas Paines Common Sense kam am 10. Jänner 1776 als Streitschrift von siebenundvierzig Seiten heraus; schon drei Tage später berichtet ein Brief von lebhafter Nachfrage. Und Kant benennt in ebenjenem Aufsatz die Bequemlichkeit, den eigenen Verstand an ein Buch abzugeben und das Gewissen an einen anderen. Das war keine Vorhersage der KI. Aber es liest sich heute wie die schärfste Beschreibung dessen, was uns droht, wenn wir das Urteilen delegieren.
Wer mir nun Widersprüchlichkeit vorhält – der Mann schreibt mit der Maschine gegen die Maschine –, dem gebe ich recht, was den Widerspruch angeht. Nur ziehe ich aus ihm einen anderen Schluss. Die KI gibt es nun einmal. Sie nicht zu verwenden, wäre ein Fehler. Sie so zu verwenden, als wäre sie der Autor, wäre ein noch größerer. Dieses Buch ist deshalb kein KI-Buch. Es ist ein Buch über KI – geschrieben mit KI, gegen KI und mit Hilfe von KI. Sie werden auf den folgenden Seiten sehen, worin der Unterschied liegt, und Sie dürfen mich daran messen. Die Maschine hat das sprachliche Material und den Duktus geliefert. Die Ursache – Ideen und Inhalt – habe ich gesetzt.
Leseauszüge aus dem bereitgestellten Kapitelmaterial; nicht mit der finalen Druckfassung abgeglichen.
DAS BUCH HÖREN
Kapitel 1 + 2. Auf Deutsch und Englisch.
Hörprobe
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DAS HÖRBUCH · BALD VERFÜGBAR
Das Hörbuch erscheint bald auf folgenden Plattformen.
AudibleLogo derzeit nicht verfügbar
SpotifyLogo derzeit nicht verfügbarERFAHRUNG, DIE DEN BLICK PRÄGT
Volker Viechtbauers Blick auf KI entsteht aus langjähriger Verantwortung für Recht, Personal, Führung und Unternehmenskultur und aus seiner intensiven Beschäftigung mit Viktor Frankl.
Pressestimme zum früheren Buch
“Das Buch verknüpft Unternehmergeschichte und Philosophie zu einer einzigartigen – ja beflügelnden – Einheit.”
Ulli Wright · Die Oberösterreicherin · 28.11.2023
DAS BUCH FÜR SIE
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